Hundewanderung in der Slowakai

Wie auf unserer Reisebeschreibung angegeben, kamen wir nach 2 ½ stündiger Fahrt von Bratislava aus, wo wir bereits 4 Tage verbrachten, in Stefanova in der Mala Fatra, einem Naturschutzgebiet in den slowakischen Karpaten an. Wir, 2 Menschen und 2 Hunde, hatten uns lange auf die 7tägige Hundewanderung unter der Leitung von Vlado Trulik gefreut. Die Anzeige von Vlado in der Vereinszeitschrift des IRJGV hatte uns schon im letzten Jahr neugierig gemacht aber erst in diesem Jahr konnten wir an einem der Termine teilnehmen.

Sofort bei der Ankunft in der sehr schönen rustikalen Pension wurden wir von Vlado mit einer „Zeckenimpfung“ begrüßt. Während unseres Aufenthaltes wurde die Impfung mehrfach erneuert was, wie sich am Ende unseres Aufenthaltes herausstellte durchaus effektiv war, denn keiner der menschlichen Teilnehmer wurde von einer Zecke gebissen. Wir waren Mit Vlado Trulik sofort per Du und warteten nun gespannt auf die anderen Teilnehmer die nach und nach ankamen. Am Abend bestand unsere Gruppe aus 11 ½ menschlichen Teilnehmern, 14 Hunden und aus Vlado, unserem Wanderführer. 11 ½ weil unsere jüngste Teilnehmerin erst 10 Monate alt war und bei den Wanderungen von ihrem Vater mit einem Tragestell auf dem Rücken transportiert wurde.

Wir hätten es gerne gesehen, wenn die Hunde sich auf der großen Wiese hinter der Pension erst einmal hätten beschnuppern können aber die anderen Teilnehmer standen der Idee sehr skeptisch gegenüber, sodass es beim „beschnuppern“ der Menschen an diesem Abend blieb.

Am Sonntag, unserem ersten Ausflugstag, lernten sich die Hunde dann alle kennen, was auch problemlos verlief. Wir wurden durch eine wunderschöne Klamm geführt, bei der wir die Hunde wegen der steilen Leitern nicht mitführen konnten. Sie blieben unter der Aufsicht von zwei Leuten aus der Gruppe, für die das Klettern durch eine Klamm nicht eben die Erfüllung ihrer Wünsche war, zurück. An diesem Tag konnten wir ein Steinalderpaar bei der Fütterung seines Jungen beobachten. Die Natur in der Mala Fatra ist von einer Ursprünglichkeit, wie sie in Westeuropa unseres Wissens nicht mehr vorkommt. Die Wiesen weisen eine Artenvielfalt aus, wie wir sie noch nirgendwo gesehen haben. Vlado Trulik verblüffte uns mit seinem enormen Wissen über die Flora, Fauna, Geologie und Historie seines Landes. Auf jeder Wanderung zeigte und benannte er Blumen und Pflanzen mit den deutschen Bezeichnungen, erklärte ihr Vorkommen und Wirksamkeit als Heilpflanze oder ihre Giftigkeit. Er gab uns Pflanzen zum Kosten und ließ uns aus den verschiedensten Quellen trinken um, wie er sagte, unsere Abwehrkräfte zu stärken. Da wir tagsüber unterwegs waren, wurde mittags immer ein Picknick gemacht bei dessen Fertigstellung alle mit einbezogen wurden. Es wurde Gemüse, Wurst und Käse geschnitten, dazu gab es Brot und Wasser. Keiner lies sich lange bitten und es wurde kräftig zugelangt. Wenn wir unterwegs grillten, musste Reisig und Holz gesammelt und Grillspieße geschnitzt werden. Aufgespießt wurden Gemüsestücke, Wurst und Speck. Die einzige Vegetarierin bekam mit Schafskäse gefüllte Paprika auf ihren Spieß.

Einige Wanderungen waren sehr anstrengend und anspruchsvoll und wir mussten einmal tausend Höhenmeter überwinden. Für uns Flachlandtiroler im sognannten Best Ager Alter bedeutete das eine echte Herausforderung. Aber wir bekamen tatsächlich nicht nur diverse Bärenspuren in Form von Bärenkot und Markierungen an den Bäumen oder Grabespuren auf Wiesen zu sehen, sondern wirklich einen Bären, der friedlich auf einem Abhang Blaubeeren fraß. Vlado machte uns außerdem auf Dachspuren aufmerksam, erklärte uns die Unterschiede von Hunde- und Wolfspuren und zeigte uns Wolfskot.

Abends saßen wir gemeinsam beim Abendessen in unserer Pension. Mal gab es Forellen am Spieß auf „Vlado Art“. Dafür sammelten wir tagsüber Wildkräuter, Beeren und Pilze die wir gemeinsam putzten und hackten um die Forellen damit zu füllen, die dann von Vlado mit Scharfgarbenstengeln zugenäht wurden. An einem anderen Abend gab es Lamm am Spieß, das Vlados Frau Danka ab Mittag zubereitete. Es war außergewöhnlich lecker. Danka verwöhnte uns auch mit selbstgemachten Marmeladen und wir lernten viele einheimische Käsesorten kennen und schätzen.

An vielen Stellen durften unsere Hunde frei laufen und obwohl es in der Slowakei viel Wild gibt, ist das Wild aufgrund des Vorkommens von Wölfen, Luchsen und Adlern viel vorsichtiger und scheuer als bei uns. Außerdem waren die Hunde so ausgepowert, dass kaum einer den Drang verspürte die Gruppe für Jagdausflüge zu verlassen. Natürlich waren auch alle Hunde gut erzogen und eventuelle Alleingänge wurden von den Haltern im Keim erstickt. Einer der wichtigsten Kommandos für unsere beiden Hunde lautete „hinter mir“, sodass wir die Hunde gut kontrollieren konnten. Abends blieben die Hunde dankbar im Zimmer und holten ihren Tagesschlaf nach.

Weitere Informationen kann man einfach unter Vlado Trulik und Mala Fatra googeln.

Reiner und Sabine Sauermann